Verkehrsgeschichte und Mobilität im Profil

Verkehrsgeschichte und Mobilität im Profil

Verkehrsgeschichte und Mobilität

Seit jeher sind Volkswirtschaften, Staaten und Kulturen für ihre Existenz, für ihre Sicherheit und ihren Fortschritt auf den Verkehr, auf den räumlichen Austausch von Personen und Gütern angewiesen. Deswegen bilden der Verkehr und seine Geschichte ein faszinierendes Querschnittsthema, das zahlreiche weitreichende Bezüge aufweist, und zwar sowohl innerhalb der Geschichtswissenschaft (namentlich zur Politik-, Wirtschafts-, Sozial-, Umwelt- und Technikgeschichte) als auch zu anderen Wissenschaften (Geografie, Soziologie, Ökonomie und Ökologie). Die geschichtswissenschaftliche Betrachtung des Verkehrs, des Reisens und der Mobilität hat in den letzten Jahren einen deutlichen Aufschwung erfahren.

Verkehr und Industrialisierung

Ohne Verkehr hätte es keine industrielle Revolution gegeben. Verkehr war aber nicht nur ein Kostenfaktor, den es mit Hilfe technisch-organisatorischer Verbesserungen zu reduzieren galt, um den Übergang von einer agrarischen zu einer industriellen Zivilisation zu ermöglichen.

Die Beschleunigung, Verstetigung und Verbilligung des Verkehrs, die schon vor der industriellen Revolution einsetzte, führte zu positiven Rückkoppelungen. Diese trugen entscheidend dazu bei, dass im Europa der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein sich selbst tragendes Wirtschaftswachstum zustande kam.

Aus einer dörflich strukturierten Agrargesellschaft, die auf der Nutzung örtlich vorhandener Sonnenenergie (Biomasse, Wind, Wasserkraft) beruhte, wurde eine urbanisierte Industriegesellschaft, die vor allem fossile und meist von weit her gebrachte Energie (Kohle, Öl) ausbeutete.

Urbanisierung, Nationalisierung und Globalisierung

Verkehrssysteme bestehen aus Netzen, die den Verkehr an Knotenpunkten zusammenführen. Dank seiner Netzbildungsfähigkeit besitzt der Verkehr eine landschaftsgestaltende Wirkung.

Rund um die Knoten entstanden seit dem Mittelalter Städte. Diese übernahmen im Lauf der Zeit immer mehr zentralörtliche Aufgaben und entwickelten sich seit dem 19. Jahrhundert zu Großstädten. Noch im 18. Jahrhundert waren die weitaus meisten Europäer Dorfbewohner, heute ist Europa ein Kontinent der Städte. Die Kehrseite dieser Urbanisierung waren Räume, die sich entleerten oder auf bestimmte Funktionen spezialisierten, zum Beispiel auf den Tourismus.

Neben der Urbanisierung beschleunigte der Verkehr einen weiteren, wichtigen Prozess: den der Nationalisierung. Erst die durchgehende Verkehrserschließung nationaler Territorien machte es für den einzelnen Bürger möglich, sich im wörtlichen Sinne als Teil einer Nation zu „erfahren“.

Gleichzeitig wohnte dem Verkehr stets die Tendenz inne, nationale Grenzen zu sprengen. Der moderne Verkehr ermöglichte und förderte die weltweite Integration von Märkten – das, was man heutzutage Globalisierung nennt.

Innovationen zu Wasser, zu Lande und in der Luft

Der Verkehrssektor wurde in den letzten Jahrhunderten wiederholt durch grundlegende Neuerungen erschüttert und verändert. Zwischen der Erfindung eines neuen Verkehrsmittels und der eigentlichen Innovation, also seiner Einführung in den alltäglichen Gebrauch, dauerte es jeweils mehrere Jahrzehnte.

Mit der Erfindung eines neuen Fahrzeugs war es nicht getan. Es bedurfte immer auch durchsetzungsfreundlicher Rahmenbedingungen sowie einer Verbesserung der Infrastruktur, um einen zusätzlichen Nutzen erzielen und einer Erfindung damit zum Durchbruch verhelfen zu können. Jede Erfindung zerfiel in mehrere Teilerfolge. Hinter jedem Schritt vorwärts stand nicht nur der Gedankenblitz einer einzelnen Person, hinter ihm stand stets das über viele Jahre angesammelte Wissen zahlreicher Institutionen, Ingenieure und Unternehmer.

Über die Modernisierung der Mobilität

Betrachtet man die Verkehrsinnovationen seit dem 18. Jahrhundert, dann fallen verschiedene Gemeinsamkeiten auf, die sich ungefähr so zusammenfassen lassen:

schneller, öfter, weiter, mehr, bequemer, billiger und sicherer.

Moderne Verkehrsmittel sind schneller, sie fahren öfter, sie kommen weiter, sie transportieren mehr Menschen und mehr Güter als ihre vormodernen Pendants. Moderne Verkehrsmittel sind außerdem bequemer und sie erledigen ihre Aufgabe auf eine für die Volkswirtschaft immer billigere Art und Weise sowie mit stetig zunehmender Sicherheit.

Es ist allerdings ausgesprochen trickreich, die erwähnten Veränderungen über größere Zeiträume und verschiedene geografische Regionen hinweg mit Zahlen zu belegen. Überdies widersprechen sich die Komparative zum Teil gegenseitig. So lässt sich die Steigerung der Geschwindigkeit nur mühsam mit der Erhöhung der Sicherheit in Einklang bringen oder die Zunahme der Bequemlichkeit widerspricht zwangsläufig dem Trend zur Verbilligung.

Wie nachhaltig ist moderner Verkehr?

Verkehr ist ambivalent. Er hat nicht nur die Produktivkräfte entfesselt (schneller, weiter, mehr), er hat auch zahlreiche Destruktivkräfte mit sich gebracht. So ging seine Ausbreitung Hand in Hand mit hohen Kosten und Belästigungen, welche der Gesellschaft aufgebürdet wurden. Neben diesen sozialen Kosten gehören auch der hohe Energieverbrauch und der enorme Landverschleiß zu den Schattenseiten moderner Mobilität.

Der Verkehr hat in den letzten Jahrhunderten prozentual sehr viel stärker zugenommen als die Leistung der gesamten Volkswirtschaft. Das wichtigste Verkehrsproblem besteht demnach darin, Wirtschaftswachstum und Verkehrswachstum voneinander abzukoppeln. Erst an zweiter Stelle geht es darum, die Energieeffizienz und Umweltverträglichkeit der Verkehrsmittel zu erhöhen.

Privat oder staatlich? – Zur Organisation des Verkehrs

Wo sich der Verkehr seine Wege bahnt, ist der Staat nie weit. Schließlich erfüllen Verkehr und Mobilität seit jeher wichtige politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Funktionen, die kein Staat entbehren kann. Die Rolle des Staates schwankte dabei in den letzten beiden Jahrhunderten zwischen der eines Regulators, der private Verkehrsbetriebe nur genehmigte und überwachte, und der eines Unternehmers, der Infrastrukturen in eigener Regie baute und betrieb.

Zur Erreichung seiner verkehrspolitischen Ziele stand dem Staat ein ganzer Strauß von interventionistischen Instrumenten zur Verfügung: von der Errichtung eigener Verkehrsunternehmen über die Erhebung von Abgaben, die Ausschüttung von Subventionen und die Verordnung von technischen Normen bis zum Erlass von Zulassungs-, Tarif- und Wettbewerbsgesetzen. Besonders groß war der Einfluss des Staates auf militärischem Gebiet: Hier stellte er jene Mobilitätsmittel bereit, die er für seine Sicherheit zu benötigen glaubte – koste es, was es wolle.

Mobilität als sozialräumliches Gefüge

Mobilität ist ein komplexer Bewegungsmodus, der durch Angebots- und Nachfragefaktoren gesteuert wird. Dieser Bewegungsmodus ändert sich sowohl im Laufe eines Lebens als auch im Laufe des Lebens einer Gesellschaft. Er führt zu einem sozialräumlichen und zeittypischen Gefüge, das sich durch die Summe aller zurückgelegten Wege charakterisieren lässt.

Auf der Angebotsseite interessieren die einzelnen Verkehrsträger und Verkehrsmittel sowie deren Zusammenspiel in der Folge geografischer Gegebenheiten, technischer Neuerungen, politischer Rahmenbedingungen, wirtschaftlicher Entwicklungen und soziokultureller Einstellungen.

Auf der Nachfrageseite geht es um das Verständnis jener Motive, welche Personen und Güter in Gang setzen und die sie zu dem werden lassen, was wir Verkehr nennen.

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